Die einfachen Regeln des Pfeifenrauchens

von R.L. Will, Mitglied der Académie Intemationale de la Pipe, Paris

Es ist viel darüber geschrieben worden, dass das Rauchen einer Pfeife so kompliziert und schwierig sei. Natürlich sollte man ein paar Regeln beachten, um zu diesem unvergleichlich schönen Genuss zu kommen, aber schwierig oder gar kompliziert ist es durchaus nicht!

Tabak, wie er sein sollte
Tabak, wie er sein sollte

Nun sind Pfeifenraucher Individualisten, die sich nicht gern etwas sagen lassen. Doch es gibt z.T. neuere Erkennmisse, die den Rauchgenuss für Anfänger und Fortgeschrittene erhöhen. Hier einige der goldenen Regeln in Kurzform:

1. Die Grundausstattung

Die "ideale" Pfeife gibt es nicht. Zunächst sollte die Pfeife Ihnen gefallen, Ihnen gut zu Gesicht stehen und gut in der Hand liegen. Für einen Beginn sollten Sie beim Pfeifenkauf auf folgende Punkte achten:

  • nicht zu dünnwandig
  • unten etwas breiter als oben
  • leicht gebogen (das ergibt einen besseren Schwerpunkt)
  • nicht zu kleine Kopfbohrung (mind. 20 mm Durchmesser, um eine möglichst große Brandfläche zu erhalten
  • nicht zu billig, ein Minimum Qualität kostet ihr Geld
  • ferner ein Pfeifenbesteck
  • ein paar Pfeifenreiniger
  • Tabak und Streichhölzer

Das war's. Die 2. Pfeife, eine Pfeifentasche, einen Tabakbeutel etc. lassen Sie sich am besten schenken.

2. Die Tabake

Um auf den für Sie richtigen Geschmack zu kommen, wird Ihr Händler Sie beraten. Aber einige Sorten müssen Sie schon vergleichend ausprobieren. Beginnen sollten Sie mit einer leichten, milden "crimp cut" oder "ready rubbed" Mixture; die besonders leckeren "flake" und "curly-cut"-Tabake sollten Sie sich für später lassen.

Erfahrung Anfänger Fortgeschrittener Profi
Tabak kräftig mild alle Tabake
Schnitt Krüllschnitt Flake Cut alle Schnitte

3. Filter / Metalleinsätze

Grundsätzlich sollten Sie das selbst entscheiden. Der natürlichste Filter ist der Tabak selbst. Aber es gibt leider Mixturen, die nur mit Kohle- oder anderen Filtern zu rauchen sind. Diese mildern die Schärfe eines Tabaks ganz erheblich, aber sie reduzieren natürlich auch die Geschmacksfülle eines guten Tabaks. Einige setzen sich durch die aufgenommene Feuchtigkeit sehr schnell zu, sodass der freie Zug teils schon ab Mitte der Pfeifenfüllung sehr stark beeinträchtigt ist und die Pfeife durch zu starkes Ziehen zu heiß wird. Also probieren Sie die verschiedenen Filter aus. Von Metalleinsätzen kann man nur abraten, weil sie zusätzliches Kondensat bilden und unhygienisch zu reinigen sind.

4. Einrauchvorbereitung

Das Einrauchen ist heute kaum noch ein Problem, da die meisten Pfeifen schon mit einer Schutzschicht ausgekleidet sind, die die Einrauchzeit erheblich verkürzt. Doch auch bei diesen Pfeifen stellt sich der Hochgenuss erst ein, wenn sich aus den Zuckerstoffen des Tabaks langsam eine Kruste bildet. Vergessen Sie bitte alle Prozeduren einer Vorbehandlung mit Honig, Whiskey etc., sie schaden mehr als hilfreich zu sein. Auch sollten Sie eine neue Pfeife nicht im Freien bei starkem Wind einrauchen, da die Glut unkontrollierbar angefacht wird.

5. Das richtige Stopfen

werden Sie bald im Gefühl haben: unten wie ein Kind, in der Mitte wie eine Lady, oben wie ein Seemann - sagt man. Prüfen Sie vor dem Anzünden den Zugwiderstand, d.h., Sie sollten nicht zu stark ziehen müssen. Ist es zu fest geworden - z. B. bei etwas zu feuchtem Tabak - lieber wieder ausräumen und neu stopfen. Im Anfang sollten Sie lieber auch oben locker stopfen und nach dem Anzünden den Zugwiderstand mit dem Stopfer regulieren. Halten Sie beim Stopfen am besten den Holm senkrecht und drehen Sie den Tabak von der Seite ein, dann fallen keine Klein-Partikel vor den Rauchkanal. Anfangs nur eine halbe Füllung hat sich bewährt - auch um die Zunge zu schonen. Bis zur fünften bis siebten Füllung ganz vollstopfen. Nicht unbedingt bis an den obersten Rand, da der Tabak in der Glut noch aufquillt.

6. Das Rauchen

Beim Anzünden die gesamte Oberfläche in Brand setzen. Nach ein paar Zügen den aufgequollenen Tabak mit dem Stopfer einebnen und sorgfältig noch einmal so anzünden, dass die gesamte Oberfläche glimmt. Das Wichtigste ist jetzt ein gleichmäßiges Ziehen. Nur diese ruhige Zugfrequenz lässt die Aromen des Tabaks voll zur Entfaltung kommen und beschert Ihnen selbst Ruhe, Kreativität und Ausgeglichenheit. Durch den großen Querschnitt der Brandfläche und die damit gegebene Geschmacksfülle brauchen Sie den Rauch nicht zu inhalieren! Einer der wichtigsten Vorzüge des Pfeiferauchens! Sollte die Pfeife einmal zu heiß geworden sein, lassen Sie sie ruhig ca. 5 Minuten abkühlen, dann erst nachstopfen, die Asche abklopfen und erneut anzünden. Wenn Sie spüren, dass sich im Holm/Mundstück Kondenswasser aus dem Tabak gebildet hat, mit dem Stopfer erneut den Zug regulieren, eventuell vom Mundstück her einen Pfeifenreiniger einführen, der das Kondensat aufnimmt. Nur, öffnen Sie bitte nicht eine noch warme Pfeife: der Zapfen wird unweigerlich locker.

7. Das Ausräumen

Früher wurde in vielen Büchern zu diesem Thema propagiert, die Pfeife stets bis ganz unten zu rauchen. Natürlich soll sich auch unten eine Schutzschicht aus den Zuckerbestandteilen des Tabaks bilden. Dafür rauchen Sie in der Einrauchphase so weit, dass nur Asche übrig bleibt oder nur wenig unverbrannter Tabak. Später sollten Sie aufhören, sobald die Pfeife - etwa im unteren Viertel anfängt, bitter zu schmecken. Die untersten Tabakschichten, die ja als der beste, denkbare Filter fungieren, haben dann ihren Sättigungsgrad erreicht, brennen nicht mehr und schmecken schon gar nicht. Um die Pfeife unten trocken zu halten, stochern Sie mit dem Dorn des Pfeifenbestecks an der Wandung entlang nach unten und bringen die noch heiße, feine graue Asche, die sehr hygroskopisch ist, an die Wandung, um die dortige Feuchtigkeit aufzunehmen. Nach dem Ausschütten - nicht Ausklopfen - muss die Pfeife mindestens 40 Minuten abkühlen, bevor sie auseinander genommen wird.

8. Die Reinigung

Nach der Ruhezeit öffnen Sie die Pfeife immer in eine Richtung, auch beim Wiedereindrehen - und putzen die Rauchkanäle von der Mitte aus mit einem Pfeifenreiniger. Bei Filterpfeifen stets einen neuen Filter einsetzen, denn die herausgefilterten Bestandteile sollen nicht wieder aufgewärmt werden und in den Rauchstrom übergehen. Bitte lassen Sie einen Reiniger nicht längere Zeit im Kanal: die freie Luftzirkulation hält Ihre Pfeife besser trocken.

9. Die Pflege

Im Laufe der Zeit wird die Kohleschicht in der Pfeife immer dicker. Dann ist es Zeit, diese auf ca. 1mm Stärke zu reduzieren. Am besten eignet sich dafür ein drehbarer Pfeifenschlüssel, der im Durchmesser verstellbar ist. Eine dünne Schutzschicht sollte allerdings immer bestehen bleiben. Und achten Sie bitte darauf, dass das Holz nicht beschädigt wird. Komplette Pflege-Sets für Pfeifen erhalten Sie im Fachhandel. Bei Beachtung dieser einfachen Regeln werden Sie den Tabak in seiner schönsten Form genießen können. Rauchen Sie ruhig und "cool", das wird Ihre Überlegenheit steigern und Ihre Persönlichkeit unterstreichen.

Aktualisierter Sonderdruck aus "Das Pfeifenbuch 1997" der Academie Internationale de la Pipe, Paris